Von Herdecke bis Blankenstein, eine postalische Ruhrpartie
Von Herdecke bis Blankenstein
- eine postalische Ruhrpartie vom Hengsteysee bis zum Kemnader See

- von FRANZ FIETZE († 1998) - (gekürzte Fassung, veröffentlicht 1984 ©)



Inhaltsverzeichnis:

 

 

 

 

Die Fahrt nach Herdecke
 

Beginnen wir unsere Betrachtung unterhalb der Hohensyburg. Wir besteigen das Motorschiff "Freiherr vom Stein" und fahren über den Hengsteysee. Rückwärts blickend grüßt uns die Hohensyburg. Vorbei geht es am Mäuseturm, dann am Koepchenwerk der RWE. Rechts begleiten uns die Ruhrberge, hier der Klusenberg mit der Teufelskanzel. Zur linken Seite liegen Stadtteile von Hagen und der Güterbahnhof, am Ufer Vereinsheime von Wassersportlern. Am Schiffswinkel hat das Fahrgastschiff sein Ziel erreicht, wir steigen aus und sind in Herdecke, dem ersten Ort unserer Betrachtung.

Herdecke hat 24.000 Einwohner. (1984) "Die Stadt zwischen den Ruhrseen", so lautet ein Werbespruch. Herdecke hatte früher einen bedeutenden Kornmarkt, hieran erinnert das Sackträgerdenkmal, mitten im blitzsauberen Städtchen. Wie Schachbretter wirken die Fachwerkhäuser in dieser mittelalterlichen wirkenden Marktidylle. Vom Café Aust überblickt man den Mittelpunkt des Ortes. Der erwähnte Sackträger bringt uns schon zum Thema "Post", wird er doch gern in Werbestempeln der Stadt gezeigt.

Schon vor 1718 wird von einer "Posthilfsstelle" berichtet. Aber erst durch die "Berliner Anordnung" vom 3. 3. 1772 wird die Einrichtung einer Postanstalt verwirklicht. Hier war auch ein Pferdewechsel an der Postlinie Lünen – Herdecke – Hagen – Frankfurt, also eine alte Posttradition. Im Jahre 1874 erhielt der Ort Anschluß an die Eisenbahn Steele – Herdecke. Mit der Wiedergabe einiger Herdecker Postbelege ist unsere Visite in Herdecke beendet.

Postschein von 1772
Postschein von 1772 mit Ortsbezeichnung Herdicke
 
Freistempel Herdecke
Freistempelabschlag der Stadtverwaltung
 
Werbestempel 1939
Sonderstempel zur 200-Jahr-Feier der Stadt Herdecke
 
Sonderstempel Herdecke
Werbe- und Sonderstempel der letzten Jahre
 
 

 

 

 

 

Mit der "Friedrich Harkort"
von Herdecke nach Wetter (Ruhr)
 

In Höhe der Herdecker Ruhrbrücke besteigen wir das Motorschiff "Friedrich Harkort" und fahren nun über den Harkortsee. Den Namen gab der bekannte Sohn der Stadt Wetter, Friedrich Harkort, der Begründer der Industrie in Wetter. Er baute auch die ersten Dampfmaschinen auf dem Kontinent.

Wir durchfahren die Bögen des imposanten Eisenbahnviaduktes, der Herdecke mit Hagen verbindet. Rechts oben sehen wir den "Nacken", eine Wohnstadt am Berge. Auf der gleichen Ruhrseite liegt das Cuno-Kraftwerk. Ein eben erst erbauter Kamin überragt mit seinen 239,5 Metern den Höhenzug zwischen Herdecke und dem Harkortberg in Wetter, einem Ausläufer des Ardeygebirges. Der Schaft hat unten einen Durchmesser von über 17 Metern, an der Mündung noch gut 7 Meter.

Diese Höhe war wegen der Erweiterung der Kohleverwendung aus Gründen des Umweltschutzes erforderlich. Der Fernmeldeturm der Bundespost in Dortmund hat vergleichsweise die Höhe von 212 Meter.

Im großen Ruhrbogen von Herdecke bis Wetter ist der Kaisberg mit dem Freiherr-von-Stein-Aussichtsturm der ständige Begleiter. Am Ruhrufer liegt ein langgestreckter Campingplatz. Von links grüßen die Kirchtürme von Vorhalle, von rechts oben der Harkortturm.

Eisenbahnanschluß erhielt Wetter an der Strecke Dortmund – Witten – Wetter – Hagen bei der Eröffnung dieser Bahn im Jahre 1848. Am 1. Januar 1970 kamen die Gemeinden Esborn, Volmarstein und Wengern zu Wetter. Über diese Orte später mehr.

 

 

Postalisches aus Wetter
 

Nun zum Postalischen. Schon ab 1700 liegen Aufzeichnungen über das Bestehen der Post in Wetter vor. Im Jahre 1831 erhielt Wetter Anschluß an die eingerichtete Personenpost von Bochum über Witten nach Hagen. Unser Besuch endet mit der Betrachtung einer Auswahl Poststempel.


Stempel von Wetter

 

 

Ein Abstecher nach Volmarstein
 

Auf der anderen Seite der Ruhr liegt der Ortsteil Volmarstein. Eine Burg, 1100 errichtet, beherrschte früher das Ruhrtal. Die Burgruine grüßt heute noch weit ins Land. Die Schloßgaststätte lädt zur Einkehr ein. Dem Besucher bietet sich von hier eine herrliche Aussicht. Weltbekannt wurden die Volmarsteiner Schloßfabriken. Weit bekannt sind auch die Orthopädischen Anstalten, im Jahre 1904 gegründet.

Volmarstein liegt an der Bahnlinie Steele – Hagen, heute nur noch zwischen Hagen und Oberwengern befahren.

Nun zur Post. Sie wurde 1836 eingerichtet und war durch eine Kariolpost mit Wetter verbunden. Seit Beginn war die Post hoch oben im Ort, die später erbaute Bahn war jedoch unten im Ruhrtal. So war hier schon früh ein Postfuhrwerk für den Posttransport zwischen Post und Bahnhof eingesetzt. Zur Winterzeit stand ein Schlitten zur Verfügung.

Beenden wir unseren Abstecher mit der Wiedergabe einiger Poststempel.


Stempel von Volmarstein
Preuß. Rahmenstempel
 
Freistempel der Behind.-Anstalt               
 
 

 

 

 

 

Ruhrabwärts nach Wengern
 

Seit unserer Ankunft in Wetter steht uns kein Motorboot zur Verfügung, es könnte höchstens ein Paddelboot oder ähnliches sein. Wir bleiben noch auf der linken Ruhrseite Hier liegt Oberwengern, ein Ortsteil von Wetter mit dem Gut Haus Hove. Der Dichter des Deutschlandliedes, Hoffmann von Fallersleben, war hier oft zu Gast. Vielgereist kannte er wohl manche Gegenden. Aber das Ruhrtal hier nannte er eines der lieblichsten Täler Deutschlands. Er sprach auch von den "drei schönen W", nämlich Wengern, Wetter und Witten. Wußten Sie das schon?

Weiter ruhrabwärts erreichen wir Wengern. Schon im Jahre 1003 wird Wengern in alten Urkunden erwähnt. Der Ort liegt an der Bahnlinie Steele – Herdecke, heute aber ohne Zugverbindung.

Im Jahre 1800 wurde in Wengern die Pfarrerstochter Henriette Davidis geboren. Sie sammelte selbst erprobte Rezepte, das erste Kochbuch entstand. Auf einer Gedenktafel ist zu lesen: "Auf diesem Herd, an dieser Stelle, im Pfarrwitwenhaus hat einst die Verfasserin des berühmten Kochbuches ihre Rezepte ausprobiert."

Die Post in Wengern wurde im Jahre 1852 eröffnet. Sie unterstand lange Jahre dem Kaiserlichen Postamt in Bommern. Es bestand auch eine Personenpost nach Witten, kurzzeitig auch eine Straßenbahnverbindung nach Wetter – Hagen. Es hat von 1923 bis 1925 auch eine Post-Omnibusverbindung zwischen Hagen und Bommern bestanden, also durch Wengern.

Bei Einrichtung der Landkraft-Postlinien im Jahre 1934 unterstand die Post dem Postamt in Witten.

Nachfolgend einige Poststempel von Wengern


Stempel von Wengern

 

Poststellen im Raum Wengern
 

Zu Wengern gehörten früher die Poststellen in Albringhausen, Esborn, Sandberg und Voßhöfen. Lediglich Albringhausen bildet eine geschlossene Ortschaft. Insgesamt gesehen ist es eine reizvolle Landschaft. Von der Post dieses Raumes hier eine kleine Auswahl Poststempel


Stempel vom Raum Wengern
 

 

 

 

 

Von Wengern nach Bommern
 

Von Wetter bis Witten begleiten uns auf der rechten Seite die Ruhrberge. Auf halber Höhe grüßt das Schloß Mallinckrodt. Auf der linken Ruhrseite liegt die Ruhrinsel bei Steger, rechts oben hebt sich das Bergerdenkmal ab. Der Wittener Viadukt überspannt das Ruhrtal. Wittener nennen diesen Ruhrabschnitt liebevoll die "Costa Viadukta".

Die "Wittener Köpfe" erscheinen in unserem Blickfeld. Nun sind wir im Stadtteil Bommern, der im Jahre 1929 zu Witten kam, Bommerholz allerdings kam zu Herbede.

Bommern hatte früher bedeutende Kohleförderung, heute ist hier nur noch wenig Industrie angesiedelt. An der Eisenbahnbrücke findet der Besucher den beschilderten Zugang zum Bergbauhistorischen Wanderpfad im Muttental. Bommern ist ein reizvoller Wohnort, ebenfalls an der Bahnlinie Steele – Hagen gelegen, die hier aber außer Betrieb ist. Nur im Sommer verkehrt die Museumseisenbahn von Hattingen nach Oberwengern. Sie erfreut sich regen Zuspruchs, ein Stück Vergangenheit wird lebendig.

 

Die Post in Bommern und Bommerholz
 

"Am 1. Mai 1876 tritt in Bommern bei Witten eine Postagentur in Wirksamkeit",
so lautete eine amtliche Bekanntmachung. Diese Agentur wurde am 1. 12. 1880 in ein Postamt III. Klasse umgewandelt. Bommerholz wurde mitversorgt, auch dann noch, als Bommerholz – wohl um 1890 – eine eigene Postanstalt erhielt.

Bis 1934 war Bommerholz auch für die Zustellung in Albringhausen zuständig.

Wir sehen hier die Wiedergabe einiger Poststempel von Bommern und Bommerholz, allen Heimatfreunden zur Freude!


Stempel von Bommern
 

 

 

 

 

Mit dem Fahrgastschiff ruhrabwärts nach Herbede
 

An der Bootsanlegestelle steigen wir – im Sommer - in unsere "Schwalbe" ein, wir verlassen Bommern. Bei der Abfahrt sehen wir noch einmal den Viadukt und das Bergerdenkmal. Unter der Ruhrbrücke hinweg geht es abwärts, am rechts liegenden Wasserwerk vorbei. Auf der Verbandsstraße flutet der Verkehr, vorbei am Gussstahlwerk – heute (1984) Thyssen Edelstahlwerke AG-, dessen Begründer Louis Berger war. Das Bergerdenkmal, mit herrlicher Aussicht über das Ruhrtal, ist ihm zu Ehren errichtet. Auf der Höhe, linker Hand, hebt sich das Schloß Steinhausen ab, dessen Anfänge um 1300 liegen. Um 1700 übernahmen die Herren von Elverfeldt das Gut Steinhausen. Ein besonderer Genuß sind die regelmäßig stattfindenden Schloßkonzerte.

Ruhrabwärts sehen wir dann die Reste der Zeche Nachtigall und der Ziegelei Dünkelberg. Diese Anlagen werden Teil eines Industriemuseums. Es öffnet sich dann links das Muttental, der Zugang zum interessanten Bergbaulichen Wanderpfad. In dieser Höhe befand sich früher die Nachtigallbrücke, die zuerst dem Kohletransport zum Wittener Bahnhof diente. Rechts liegt das Wasserwerk für das nördliche Kohlenrevier, dahinter der Kleff.

Vom Kleff aus genießt man eine herrliche Aussicht über das Ruhrtal. Einzelne Häuser grüßen vom Kleff, ansonsten ist der Abhang bewachsen. Ebenso bewachsen sind die Berge links der Ruhr. Oft muß sich der Wittener von begeisterten auswärtigen Besuchern erst anstecken lassen, so erlebte es der Schreiber selbst bei einer Fahrt mit der Schwalbe. Die Endstation ist erreicht, vor uns das Wehr, rechts an der "Insel" die alte Schleuse, die wohl bald in Betrieb kommt.

Schon 1776 begann unter Friedrich dem Großen die Schiffbarmachung der Ruhr, 1780 wurden Schleusen gebaut und der Leinpfad angelegt, auf dem Pferde die Kohlenschiffe zogen.

Wir steigen aus, gehen ein wenig nach recht und erreichen die Ruine Hardenstein. Um das Haus rankt sich die Sage um den König Goldemar. Weiter abwärts beginnt dann links der Ruhr der heutige Stadtteil Herbede, rechts Heven. Von der alten Ruhrbrücke sind die Uferbefestigungen noch zu erkennen.

Wie weit mag wohl zu diesem Zeitpunkt der Stand um die Brücke für Fußgänger und Radfahrer zwischen der Lake und Herbede gediehen sein? Beim Schreiben (1984) war ein Plan bekannt, ebenso waren auch schon Mittel für den Bau angekündigt.

 

Herbede und seine Post
 

Herbede, eine traditionsbewußte Stadt, die im Jahre 1951 ihr 1100jähriges Bestehen feierte, die Post führte dazu einen Sonderstempel. Hier ist noch viel Altes erhalten geblieben. Herbede, das früher eine Großzeche beherbergte, hat heute einige Industriebetriebe, ein neues Industriezentrum brachte einige Betriebe hinzu. Ein überaus emsiger Verkehrsverein ist ständig um die Heimatpflege bemüht. Das gleiche gilt auch für die "Burgfreunde Hardenstein" und für den "Förderkreis Haus Herbede". Im Haus Herbede wohnte von 1313 bis 1889 die Familie Elverfeldt, die heute noch sehr bemüht ist, gemeinsam mit der Stadt Witten und dem Förderkreis das Haus wieder herzurichten und zu erhalten. Durch ständige Aktionen wird diese Absicht wach gehalten. Es lohnt sich wirklich, den Raum Herbede mit seinen Bergen und den vielen gut erhaltenen Fachwerkhäusern zu besuchen.

Eine Post erhielt Herbede um 1830, seit 1934 hieß es "Herbede über Witten", dann mal wieder "Herbede, Ruhr". im Stempelbild ist die alte Ortsbezeichnung verschwunden, es heißt heute (1984) schlicht "Witten 3".

Hier einige Poststempel zur Erinnerung.


Stempel von Herbede
 

 

 

 

 

Der Ortsteil Heven
 

Ehe wir die Reise fortsetzen, noch kurz zum Ortsteil Heven, auf der Wittener Ruhrseite gelegen. Der Ortsteil kam 1921 zu Witten, gehörte vorher zu Herbede. Herbede beherbergt eine Windenfabrik, sie unterhält ein anerkanntes Windenmuseum mit einer alten Windeschmiede. Ansonsten ist Heven mehr ein ruhiger Wohnort mit vielen Neubauten. Auch hier hält ein rühriger Heimatverein die Erinnerung an die Vergangenheit wach.

Eine Postanstalt erhielt Heven im Jahre 1888, im "Drei-Kaiser-Jahr", so wird es berichtet. Sie war früher in "Heven-Dorf", heute (1984) im Neubaugebiet, zentral gelegen. Weitere Poststellen waren in der Lake und bei Kuhlhoff.

Nachfolgend einige Poststempel.

Stempel von Heven

 

Der Kemnader See
 

Gehen wir mit unserer Betrachtung weiter ruhrabwärts. Wir lassen die Ruhrbrücke hinter uns, ebenso die Autobahnbrücke, und erreichen dann den Kemnader See. Von ihm lag schon 1929 ein erster Entwurf vor, der sogenannte "Herbeder See". Der Bau wurde 1976 begonnen, 1979 war der Aufstau beendet, das erste Kemnader Seefest fand statt. Das sollte sich jährlich wiederholen. Und immer waren die Wittener Briefmarkensammler dabei. Sie begleiteten die Volksfeste mit besonderen Briefumschlägen und Werbestempeln der Wittener Post.

Hier die Stempel zu den Seefesten:


Stempel von Kemnader Seefesten
 

 

 

 

 

Die Postanstalt Hammerthal
 

Vom Steinenhaus in Richtung Sprockhövel liegt der jetzt zu Witten gehörende Ortsteil Buchholz mit der Postanstalt Hammerthal Sie wurde am 20. April 1883 eingerichtet. In der 100jährigen Geschichte hieß es mal Postagentur, Poststelle, Postamt. Bei der nachfolgenden Stempelauswahl ist zu erkennen, die Post blieb bei "Hammerthal", also stets mit "th".


Stempel von Hammerthal
 

 

 

 

 

Witten - ein kleiner Steckbrief
 

Witten hat etwa 110.000 Einwohner (1984), natürlich mit den schon erwähnten Stadtteilen. Hinzu kommen auch noch Annen, Rüdinghausen und Stockum. 2/3 des Wittener Gebietes sind Grünfläche. Die Natur ist vor der Haustür. Grün ist in den Parkanlagen der Innenstadt und in den angrenzenden Wäldern. In den Stadtteilen draußen sind noch große Flächen mit Wiesen und Feldern.

"Witten im Kranz der Hügel und Wälder" – so stand es in einem Werbestempel. Es bieten sich an: Stadtpark, Hammerteich, Hohenstein, Bergerdenkmal mit herrlicher Aussicht ins Ruhrtal, Helenturm (Aussichtsturm), Herrenholz, Waldgebiete in Bommern und Vormholz, der Kemnader See. Einiges wurde schon erwähnt.

Interessant ist der Bergbauhistorische Rundweg im Muttental. Hierüber schreibt Willi Bremkes, Redakteur der Frankfurter Rundschau daselbst, im Sommer 1981 über einen Ausflug in das Wittener Muttental: "Wahrscheinlich werde nicht nur ich mir die Wiege des Ruhrbergbaus etwas anders vorgestellt haben. Da erwartete ich eine triste, verschmutzte Landschaft mit Industrieruinen und ähnlichem und sah plötzlich jede Menge Grün. Grüne Wälder und saftig grüne Wiesen, dazwischen einige schmucke Fachwerkhäuschen mit Garten, einladende Ausflugslokale, eine wirkliche Idylle."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Der Besucher erlebt hier die Bergbaugeschichte zum Anfassen. "Kommen Sie nach Witten – wenn Sie mehr über unsere schwarze Vergangenheit wollen."

Übrigens – schon im Jahre 1296 wurde im Muttental nach Kohle "gebuddelt". Gelegentlich kommt die Kohle auch noch "ans Licht", und zwar dann, wenn in Witten gebaut wird. So war es beim Saalbau, beim Bau der Stadtsparkasse. Hier gab’s beim Ausschachten für die Passanten Anschauungsunterricht.

 

Städtepartnerschaften
 

Witten hat Städtepartnerschaften mit Beauvais (F), Barking (GB), Mallnitz (A) und EN Wered (IL). Diese Partnerschaften werden mit Leben erfüllt, es stiegen die Vereine ein, vor allem die Sportvereine, die Marinekameradschaft und die Briefmarkensammler. Es entstanden viele private Kontakte, ja Freundschaften. Hervorzuheben ist der mehrfache Besuch ehemaliger jüdischer Mitbürger aus aller Welt nach Einladung durch die Stadt, hier besteht eine Patenschaft.

 

Bildung - Erziehung
 

Neben den herkömmlichen Schulen besitzt Witten zwei Realschulen und vier Gymnasien. Hinzu kommt noch die neu gegründete Universität Witten/Herdecke. Leistungsstark ist der Zweckverband der Volkshochschule mit Herdecke und Wetter.

 

Der Städtische Saalbau
 

Er ist das Veranstaltungszentrum in Witten. Der Theatersaal faßt 800, der Festsaal 1000 Personen. In der Spielzeit 1977/78 waren 354 Veranstaltungen mit 110.000 Besuchern.


Freistempel Saalbau

 

Das Freizeitangebot
 

Das Freizeitangebot zeigt eine breite Palette. Es bieten sich viele Wanderwege an, ebenso Reitwege, "Trimm-dich-Pfade" fehlen nicht. Der Wassersport ist stark vertreten. Über viele Kilometer tummeln sich Kanuten, Paddler, Surfer, Segel- und Ruderboote auf der Ruhr und den Seen. Auch die Petrijünger sind hier Zuhause. Im Rudersport errangen die Gebrüder Grabow mit zwei weiteren Ruderern aus Dortmund eine Goldmedaille, sie wurden Weltmeister im Vierer.

Der Kraftsport ist mit den Ringern des KSV ständig im Kampf um die Deutsche Meisterschaft dabei. Fünfmal war er Deutscher Meister, sechsmal Vizemeister. Hinzu kommen noch weitere Einzelsiege. Der Radsport tritt regelmäßig an die Öffentlichkeit. Witten hatte auch hier mal einen Weltmeister: Erich Metze.

 

Industriestruktur
 

Bergbau gibt es in Witten nicht mehr. Eine alte Tradition hat die Glasindustrie. Dr. Otto Schott, der "Glas-Doktor von Witten", war bahnbrechend bei der Entwicklung des optischen Glases. Er gründete in Jena das "Jenaer Glaswerk Schott und Genossen".

Ludwig Berger gründete im Jahr 1853 die Gussstahlfabrik Berger u, Co.", heute (1984) Thyssen Edelstahlwerke AG.

Witten hatte früher einen bedeutenden Kornmarkt. An ihn erinnert heute noch der Platz "Kornmarkt" (Busbahnhof) und das Sackträgerdenkmal, eine Erinnerung an die Gilde der Sackträger.

 

 

 

 

 

Die Post in Witten

Der Abschluß der philatelistischen Ruhrpartie soll nun ein kleiner Einblick in die Wittener Post sein. Es hält schwer, sich hier kurz zu fassen, doch es muß sein.

Der Crengeldanz erhielt 1825 ein Postmeisteramt, das allerdings 1850 wieder geschlossen wurde. Der Verkehr hatte sich nach Witten verlagert. Das war der Beginn. 1831 erhielt Witten Postanschluß, die Personenpost ging von Bochum durch Witten über Herdecke nach Hagen. Dort bestand Anschluß an die nachts passierende Köln-Mindener Schnellpost über Kassel nach Frankfurt. Im Jahr 1837 erhielt Witten eine Postexpedition. Postrouten wurden eingerichtet nach Barmen, Castrop, Hattingen, Sprockhövel und Wengern.

Am 9. März 1848 wurde auf der Eisenbahnstrecke Dortmund – Witten – Wetter – Hagen – Elberfeld der Bergisch-Märkischen Bahn die Personenbeförderung aufgenommen. Danach wurde nach und nach die Personenbeförderung bei der Post eingestellt, die Bahn hatte der Post den Rang abgelaufen. Im Jahre 1886 wird von einem "Bestellfuhrwerk" berichtet, das in der Stadt Pakete auslieferte und auch Pakete entgegennahm. Es konnte auch durch einfaches Schreiben oder Postkarte (gebührenfrei) "bei dem Postamt die Abholung von Paketen aus der Wohnung bestellt werden".

1886 wurden in Witten die ersten 17 Fernsprecher installiert. 1926 setzte die Post zur Paketzustellung die ersten Dreirad-Kraftwagen ein. Auch die Kariolpost zum Crengeldanz und nach Stockum wurde eingestellt. 1926 wurde in Witten der Selbstwähldienst eingeführt, das "Fräulein vom Amt" hatte ausgedient. Das Postgebäude wurde 1943 total zerstört. Zur Inbetriebnahme des neuen Postgebäudes gab es einen "Tag der offenen Tür", dazu einen Werbestempel des Postamtes. Die Postzustellung ist in Witten heute (1984) beim Hauptpostamt zusammengefaßt. Alle Außenpostanstalten verloren im Stempelbild ihre alte historische Ortsbezeichnung, es heißt (1984) nur noch "Witten 1" bis "Witten 18".

Die Tradition mußte hier der Rationalisierung weichen. Beenden wir unsere Reise mit der Wiedergabe einiger Stempel der Briefstempelmaschine beim Postamt Witten und von Absenderfreistempeln der Wittener Stadtverwaltung.


Stempel Witten
 
Kaiserliches Postamt um 1900
 

 

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